­

„Die Kurzfilme spitzen entwicklungspolitische und Nachhaltigkeitsprobleme zu und bringen sie auf den Punkt – auf einen ziemlich unbequemen Punkt.“ Mit diesen Worten würdigte Laudator Oliver Märtin, Leiter der Abteilung weltweit und Europa von Brot für die Welt, Sukuma arts in Dresden für ihr Filmprojekt „Sukuma Award“.

preistraegermitmonsignorehuberDrei Initiativen erhalten den ‚Ökumenischen Förderpreis Eine Welt'

Den vierten ‚Ökumenischen Förderpreis Eine Welt' haben am 16. Oktober drei Organisationen und Initiativen in Münster erhalten. Ausgezeichnet wurden die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) München-Freising in der Kategorie ,kirchliche Partnerschaftsarbeit´, der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven in der Kategorie ,Klimagerechtigkeit´ und die ‚Aktion Dritte Welt Saar' in der Kategorie ,Entwicklungspolitik global´.

„Das Wort ,Eine Welt´ ist für die Zukunft unser Erde entscheidend", erklärte der Münstersche Weihbischof Dr. Stefan Zekorn bei der Preisverleihung in der Akademie Franz Hitze Haus. „Es ist entscheidend, ob wir wirklich die ‚Eine Welt' gestalten oder nur unsere kurzfristigen nationalen Interessen sehen". Die Erde sei „unser gemeinsames Haus und wir merken etwa durch die Flüchtlinge, dass es nicht funktioniert, ein Stockwerk einfach brennen zu lassen, um im Bild zu bleiben, den Brand an verschiedenen Stellen sogar noch durch den eigenen Ofen zu befeuern".

Zekorn betonte, Kultur, soziales Leben, Politik, Technik, Wirtschaft, Umwelt, Humanökologie, Tierethik und Lebensstil griffen so ineinander, dass sie wechselseitig aufeinander einwirkten. Deshalb könnten einzelne Maßnahmen und Regeln nur begrenzt helfen und die komplexe Dimension der Probleme nicht lösen. „Dazu braucht es eine Spiritualität, die das Handeln verändert", forderte der Weihbischof. Ein Vorbild für eine solche Spiritualität sei der heilige Franz von Assisi, der aus dem Bewusstsein gelebt habe, dass alle Geschöpfe ihren letzten Ursprung in Gott hätten und deshalb alles miteinander verbunden sei. Die Preisträger hätten sich aus einer solchen Haltung heraus engagiert und würden dafür ausgezeichnet. „Wir brauchen eine solch tiefe Spiritualität, damit unser aller Handeln sich so verändert, dass das gemeinsame Haus der Erde für alle bewohnbar bleibt oder besser: überhaupt für alle bewohnbar wird", mahnte Zekorn.

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, hob in seiner Laudatio auf die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) München-Freising hervor, sie engagiere sich im Rahmen einer wirklichen Partnerschaft mit Bolivien, nicht durch Geld-Geben, sondern durch Begegnung, Austausch und Dialog. „Ich bin sicher: Wenn Jugendliche sich für eine solche Arbeit einsetzen, dann ziehen ganz viele mit", fügte Schick hinzu. „Partnerschaft ist etwas vom Wertvollsten für die Eine-Welt-Arbeit." Nach wie vor sei das Nahrungsproblem auf der Erde drängend, und der Hunger könne sogar noch größer werden. „Ihr seid auf der richtigen Spur. Weiter so!", rief der Erzbischof den jungen Leuten zu.

Dr. Ulla Mikota, Unterabteilungsleiterin und UNICEF-Beauftragte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), würdigte das Projekt „Zukunft einkaufen" des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven. Die Preisträger hätten ihr Projekt im Jahr 2011 gestartet und dafür gesorgt, dass das kirchliche Beschaffungs- und Einkaufswesen nach sozialen und ökologischen Kriterien ausgerichtet werde, lobte Mikota. „Dadurch ist in fünf Kirchengemeinden und bei Ihrem Diakonischen Werk viel in Bewegung geraten", sagte Mikota. „Sie haben Strukturen verändert und nachhaltige Spuren hinterlassen – bei den Kommunen, bei den Lieferanten und in der Öffentlichkeit". Inzwischen seien auf landeskirchlicher Ebene finanzielle Mittel für eine Verstetigung des Projekts bereitgestellt worden. „Sie hatten den Mut, groß zu denken und klein anzufangen", lobte die BMZ-Vertreterin. „Bei wirklichem Willen könnte aus Ihrem Weg ein Weg für uns alle werden".

Prof. Dr. Claudia Warning, Vorstand von Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, zeichnete das Projekt „Erna goes fair" der Aktion Dritte Welt Saar aus. Dieses Projekt für faire Landwirtschaft nehme Bauern aus verschiedenen Weltregionen in den Blick und sei aus der Perspektive der Betroffenen in Paraguay und im Senegal konzipiert. So habe das Plakat der Initiative „Deutsche Kühe weiden in Paraguay und scheißen auf die Bauern im Senegal" Furore gemacht. „Sie kümmern sich aber auch um die Bauern in Deutschland und nehmen deren Zwänge ernst", würdigte Warning die Preisträger. „Ihr Ziel ist eine Landwirtschaft, die wirklich allen zugutekommt." Längst habe das Projekt überregionale Ausstrahlung bekommen. Beim anschließenden „Sofa-Gespräch ohne Sofa" fügte Warning hinzu: „Das Feuer, das hier brennt, muss weitergegeben werden, das ehrenamtliche Engagement muss sich möglichst multiplizieren", forderte die Entwicklungsexpertin.

Monsignore Wolfgang Huber, Präsident von Missio München und Kuratoriumsvorsitzender des Katholischen Fonds, betonte, die kirchlichen Hilfswerke seien ganz bewusst weltweit engagiert und setzten ihre Gelder dafür ein, Begegnungen zwischen Menschen auf verschiedenen Kontinenten zu ermöglichen. „Wir müssen für die Lebensqualität und die Menschenwürde aller einstehen", sagte Huber. Roland Röder von der Aktion Dritte Welt Saar dankte seinerseits „Brot für die Welt" für die jährliche Unterstützung, die keine Selbstverständlichkeit sei. Darüber hinaus appellierte Klimapilger Wolfgang Zahrnt, der auf dem Weg von Flensburg nach Paris am selben Nachmittag Münster erreicht hatte, an die Kirchen und ihre Hilfsorganisationen, dafür zu sorgen, dass es den Menschen im Süden der Erde gut gehe und sie sich selbst helfen könnten.

Der ‚Ökumenische Förderpreis Eine Welt' wird seit 2012 jährlich gemeinsam vom ‚Katholischen Fonds Kooperation Eine Welt' und vom evangelischen Hilfswerk ‚Brot für die Welt' für besonderes entwicklungspolitisches Engagement verliehen. Schirmherr des Preises ist der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller.

Einsatz für Gerechtigkeit ausgezeichnet

Der Ökumenische Förderpreis „Eine Welt" wurde an den Eine-Welt-Laden Fürth, die Brasilien-AG einer Metzinger Kirchengemeinde und an das Ökohaus Rostock verliehen. Die Auszeichnungen wurden zum dritten Mal für innovative Projekte vergeben, die das öffentliche Bewusstsein für entwicklungspolitische Anliegen und für weltweite Solidarität stärken. „Die erfolgreiche Arbeit so vieler entwicklungspolitisch Aktiver macht Hoffnung und soll durch den Förderpreis gewürdigt werden", sagt Barbara Riek, Leiterin des Referats Inlandsförderung von Brot für die Welt-Evangelischer Entwicklungsdienst. Die drei Preisträger erhalten jeweils 3.000 Euro.
In der Kategorie Fairer Handel wurde der Eine-Welt-Laden Fürth/Bayern mit seinen Projekten „Faire Fastenzeit" und „Fürther Fastenweg" ausgezeichnet. Den Preis in der Kategorie „Kirchliche Partnerschaftsarbeit" erhielt die Brasilien AG der Kirchengemeinde St. Bonifatius in Metzingen/Baden-Württemberg für ihre vor elf Jahren begründete Partnerschaft zum brasilianischen Cáceres. Das Ökohaus e.V. Rostock bekam die Auszeichnung in der Kategorie „Globales Lernen in der Schule" für das Projekt „Zukunftsvisionen".

„Wir wollen mit dem Förderpreis nicht nur auf die prämierten Projekte hinweisen, sondern auf die vielen Eine-Welt-Initiativen und Aktionen, die durch ihre Bewusstseinsbildung zu einer menschenwürdigen Entwicklung beitragen", so der Vorsitzende des Kuratoriums des Katholischen Fonds und Präsident von missio München, Pater Eric Englert.

Die Jury aus Prof. Dr. Claudia Warning, Vorstand von Brot für die Welt-Evangelischer Entwicklungsdienst, dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und Monika Griefahn, der Ko-Vorsitzenden der „Right Livelihood Award"-Stiftung, die den „Alternativen Nobelpreis" vergibt, wählte die Preisträger unter mehr als 30 Einsendungen aus.

Die ökumenische Zusammenarbeit im Jahr 2010 Zum zweiten Mal nach 2007 wurde gemeinsam von Evangelischem Entwicklungsdienst (EED) und Katholischem Fonds ein Ökumenischer Förderpreis Eine Welt ausgelobt. Mit der Neuauflage dieses Förderpreises sollten erneut das Engagement für die Eine Welt und eine gerechte Gestaltung der Globalisierung öffentlich gewürdigt werden. Verbindendes Ziel von EED und Katholischem Fonds ist es, Gemeinden, Initiativen und Verbände auszuzeichnen, die sich in der entwicklungsbezogenen und weltkirchlichen Bildungs- und Partnerschaftsarbeit engagieren.

Den Preis in der Kategorie Kirchliche Partnerschaften in der Einen Welt erhielt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Görlitz mit dem Projekt „Gesicht zeigen! 2010“ mit Jugendlichen aus Deutschland und Polen. In seiner Laudatio würdigte Erzbischof Dr. Ludwig Schick das Projekt, bei dem durch die deutsch-polnische Jugendbegegnung der interkulturelle Dialog gefördert und gemeinsame Wurzeln entdeckt werden konnten. Er wünschte den Preisträgern, dass die Auszeichnung sie ermutigen möge, ihr Engagement fortzusetzen und andere anzustiften, damit der Auftrag der Versöhnung immer mehr Jugendliche anstecken möge.

Den Preis in der Kategorie Kinder und Jugendprojekte erhielt die Pädagogische Werkstatt – Globales Lernen – Gera für Ihr Projekt „Globales Klassenzimmer“. Leider nur in einer Videoaufzeichnung konnte Laudatorin Gundula Gause den Preisträgern ihren Glückwunsch aussprechen und lobte besonders, dass es der Pädagogischen Werkstatt gelingt, bei den Kindern einen Perspektivenwechsel hin zu Gleichaltrigen in fernen Ländern zu bewirken und sie neugierig auf diese Welt zu machen.

Den Preis in der Kategorie Klimawandel und nachhaltige Entwicklung erhielt das Welthaus Bielefeld mit seiner Material-Tasche „Klima- Kids“. Laudator EED-Vorstand Pfr. Dr. Rudolf Ficker ging in seiner Rede besonders darauf ein, dass Kinder in Deutschland und weltweit vom Klimawandel wissen und sich Sorgen machen. Durch die lebendigen Beispiele und die spielerische Beschäftigung wird Interesse und Empathie geweckt. Pfr. Dr. Ficker wünschte dem Welthaus Bielefeld, dass sie weiterhin so kreativ befruchtend am Puls der Zeit bleiben.

Ausgerichtet wurde die Preisverleihung von der Pädagogischen Werkstatt – Globales Lernen – Gera. Durch die gute Vorbereitung wurde die Verleihung des 2. Ökumenischen Förderpreises zu einem sehr schönen Fest mit wunderbarer musikalischer Umrahmung, einer fröhlichen Darbietung durch eine Kindergruppe der Pädagogischen Werkstatt Gera und vielen gut gelaunten Gästen.

Ehrung für die „Fairbrecher“

„Ökumenischer Förderpreis Eine Welt“ zum ersten Mal verliehen

Wetzlar. Das Aktionsbündnis „Deine Stimme gegen Armut“, Wetzlar und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Landesverband Bayern, gehören zu den Preisträgern des ersten „Ökumenischen Förderpreises Eine Welt“, der in Wetzlar verliehen wurde. Im Angesicht des Wetzlarer Domes, der seit Jahrhunderten von evangelischen und katholischen Christen in ökumenischer Eintracht genutzt wird, wurden damit Projekte ausgezeichnet, in denen sich Menschen beispielhaft für entwicklungspolitische Bildungsarbeit engagieren.

Stifter des Preises sind der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und der Katholische Fonds, der durch die Hilfswerke Adveniat, Caritas International, Misereor, Missio und Renovabis getragen wird. Pater Eric Englert OSA, Präsident von missio-München und Vorsitzender des Katholischen Fonds betonte, der Preis solle regelmäßig verliehen werden – er sei eine wirklich ökumenische Aktion und wolle Gemeinden, Gruppen und Verbände ermutigen, sich für Themen der Einen Welt einzusetzen.

Zu den ersten Trägern des in vier Kategorien ausgeschriebenen und mit jeweils 3.000 Euro dotierten Preises gehört der BDKJ Bayern. Er wirbt seit zwei Jahren in einer schrillen Kampagne „Fairbrechen“ für den Fairen Handel (www.fairbrechen.de). Der Münchner Weihbischof Engelbert Siebler lobte die Aktion als ideenreich, pfiffig und beispielhaft. Die „Fairbrecher“ sollten Nachahmer finden.

Ausgezeichnet wurde auch das Aktionsbündnis „Deine Stimme gegen Armut“ in Wetzlar. Mit dem längsten Friedensband Deutschlands mit mehr als 1.000 Bettlaken hatte das Bündnis öffentlichkeitswirksam gegen Armut weltweit protestiert. Karin Kortmann, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) betonte auf der Preisverleihung, von dieser Aktion sei ein Initialfunke ausgegangen.

Zu den Preisträgern gehören auch die Evangelische Kirchengemeinde Bovenden, die eine lebendige Partnerschaft nach Nicaragua unterhält, und das bundesweite Adivasi Tee Projekt.
Pater Eric Englert kündigte an, der nächste „Ökumenische Förderpreis Eine Welt“ solle auf dem Ökumenischen Kirchentag 2010 in München verliehen werden.

Christian Fevel
Adveniat

­